Geschichte des Schmiedens
Uraltes Handwerk
Das Schmieden gehört zu den ältesten Handwerkstechniken der Menschheit. Bereits ab ca. 6000 v.Chr. findet man erste Spuren der Kupferverhüttung, gefolgt von Bronze ab ca. 3300 v.Chr. Vereinzelt wurde schon ab den Jahr 3000 v.Chr. die Eisenverarbeitung nachgewiesen, jedoch erfolgte dessen regelmäßige Verarbeitung ungefähr ab 1200 v. Chr. im Nahen Osten.
Seit vorgeschichtlicher Zeit werden also verschiedene Metallarten zur Herstellung von Waffen, Arbeits- und Gebrauchsgegenständen verwendet. Es setzte sich in allen Lebensbereichen durch, da es nicht nur haltbarer, sondern auch deutlich effektiver war als Holz. Ob Pflugscharen im Ackerbau, alltägliche Gebrauchsgegenstände im Haushalt oder Waffen, in jeder Hinsicht war Metall überlegen. Mit der Domestizierung von Pferden wurden auch die schützenden Hufeisen ein Fall für den Schmied.
So entstand der Beruf des Schmied als logische Konsequenz des praktischen und wirtschaftlichen Nutzens von Metall und den Ansprüchen an unterschiedliche Verarbeitung.
Wortursprung
Abgeleitet wird das Wort „Schmied“ wohl aus dem indogermanischen Wortstamm smei- , was ursprünglich eine Form der Bearbeitung bzw. die Erschaffung von Gegenständen bedeutet. Ein Schmied ist also ein Schöpfer und zeigt die außerordentliche Wichtigkeit des Berufs für den Alltag der Menschen.
Mythen und Legenden
In zahlreichen Mythen und Legenden der Menschheitsgeschichte ist von Schmieden die Rede. Schon in der Bibel Gen. 4,22 ist von „Tubal-Kain, der die Geräte aller Erz- und Eisenhandwerker schmiedete“ die Rede. Laut einer antiken Legende bemerkte Pythagoras von Samos (6. Jhd. v. Chr.) in einer Schmiede die Harmonie von gleichzeitig geschlagenen Hämmern, wenn die Gewichte der Hämmer in bestimmten ganzzahligen Verhältnissen zueinanderstanden. Er begründete daraus angeblich die Musiktheorie. Schmieden sagt man nach, an der Erfindung des Ackerbaus beteiligt gewesen zu sein. In vielen Kulturen gab es einen Gott des Feuers und des Eisens, die bekanntesten sind der griechische Hephaistos sowie der römische Vulcanus.
Die Eisenverarbeitung
Eisen wird durch ein Verfahren zur Gewinnung von Metallen aus Eisenerz gewonnen, das auch Verhüttung genannt wird. Schmieden ist demnach das Bearbeiten rotglühenden Eisens, dessen Schmelzpunkt bei ca. 1540 °C liegt.
- Roheisen besitzt einen Kohlenstoffgehalt von 4-6%, Silicium 3 %, Mangan 6 % sowie geringe Mengen von Schwefel und Phosphor, ist jedoch durch diese Begleitelemente zu spröde und daher weder schmied- noch walzbar.
- Gusseisen enthält weniger Begleitstoffe, aber einen Kohlenstoffgehalt von über 2 %, daher ist es nur gießbar, aber nicht schmiedbar. Eine Zerspanbarkeit, d.h. eine Umformbarkeit ist je nach Sorte jedoch gegeben.
- Schmiedbares Eisen hat einen Kohlenstoffgehalt von weniger als 1,5 %. Stahl ist gereinigtes Eisen und ist seit den 1920er Jahren die Sammelbezeichnung für jedes schmiedbare Eisen. Zuvor wurde nicht unterschieden zwischen Stahl und Schmiedeeisen. Grundsätzlich ist Schmiedeeisen nicht härtbar, Schmiedestahl hingegen schon.
Früher bekam der Schmied das Roheisen direkt aus dem Bergwerk und reinigte es durch mehrmaliges Glühen und Schmieden, sodass er es bearbeiten konnte. Später entstanden Walz- und Hammerwerke, die diese schweißtreibende Arbeit übernahmen. Die häufig zu findenden Orts- und Flurnamen Hammerschmiede, Hammer oder Hammerwerk zeugen noch heute von ehemaligen Standorten.
Hammer und Blasebalg wurden seit ca. 14. Jahrhundert mit Wasserkraft betrieben. Vorher lagen die Hammerwerke nicht an Flussläufen, sondern in der Nähe der Erzlager und wurden mit reiner Muskelkraft betrieben
Der Schmied im Wandel der Zeit
Im Laufe der Zeit entstanden viele unterschiedliche Berufszweige, die sich mit der Bearbeitung von Metall beschäftigen. Bis zum frühen Mittelalter wurde nicht zwischen Schmied und Schlosser unterschieden. Erst im 14. Jahrhundert erfolge mit dem Aufkommen der Zünfte nach und nach eine Spezialisierung. Häufig gab es jedoch Überschneidungen oder sogar Kompetenzstreitigkeiten.
Mit der Zeit etablierte sich eine ungefähre Unterscheidung, die besagt, dass ein Schmied eher die grobe bzw. große Bearbeitung macht (Grobschmied), ein Schlosser hingegen die kleinen oder die Feinarbeiten übernimmt (Kleinschmied).
Weitere bekannte Zweige sind z.B.: Hufschmied, Wagenschmied, Kunstschmied, Gold- und Silberschmied, Waffenschmied, Nagelschmied.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich außerdem weitere Spezialisierungen wie Bauschlosser, Werkzeugmacher, Büchsenmacher, Uhrmacher, Kfz-Schlosser, Maschinenschlosser, Klempner (Blechverarbeitung), Spengler, Flaschner usw.
Der Schmied im 20. Jahrhundert
Noch im 1. Weltkrieg waren Schmiede ein wichtiger Teil der Armee, die sich um den Beschlag der Pferde sowie die Reparatur der Waffen kümmerten. Auf dem Land, also auch im immer schon ländlich geprägten Franken waren Schmiede sehr wichtig, weil sie die Werkzeuge der Landwirte reparierten und sich um die Zugtiere kümmerten. In jedem Dorf gab es mindestens einen Schmied, in größeren Städten mehrere, die sich auch unterschiedlichen Professionen widmeten.
Sag mir wie du heißt …
Da in der Vergangenheit Nachnamen häufig aus Berufsbezeichnungen entstanden, ist Schmidt der zweithäufigste Familienname in Deutschland. Zieht man alle bekannten Schreibweisen (Schmid, Schmitt etc.) mit in Betracht ist es sogar der häufigste. Dies zeigt die außerordentliche Bedeutung des Schmiedeberufes für die Menschen.
Auch in anderen Sprachen werden Bezeichnungen für den Beruf des Schmieds als Familiennamen verwendet und zählen dort ebenfalls zu den meistgenannten: Smith (Englisch); Smid (Niederländisch); Kowalski (Polnisch), Kovac (mit verschiedenen Sprach-Abwandlungen ähnlich in Serbisch, Kroatisch und Ungarisch); Herrero (Spanisch), Lefebvre oder Lefèvre (Französisch) und Ferrari (Italienisch).
Auf in die Zukunft!
Immer noch ist eine gründliche Ausbildung in diesem wichtigen Handwerk Teil des Werdegangs junger Menschen. Heute heißt der Ausbildungsberuf Metallbauer, Fachrichtung Metallgestaltung. Dennoch bezeichnen sich – aus dem kulturellen Selbstverständnis heraus – die neu ausgebildeten jungen „Metallbauer“ häufig selbst als Schmied oder Kunstschmied.
Seine einzigartige Bedeutung für die Menschen hat dieser Beruf also auch nach fünf Jahrtausenden nicht verloren und behält diese auch in der Zukunft!
